1. September 2026
Was kommt in der B1-Schreiben-Prüfung dran?
Der Schreibteil ist der Prüfungsteil, den man am schlechtesten "auf Verdacht" bestehen kann. Beim Lesen und Hören kann man raten. Beim Schreiben steht am Ende ein Text, den ein Mensch liest und nach festen Kriterien bewertet. Deshalb lohnt es sich, vorher genau zu wissen, was drankommt: welche Textsorten, wie viele Wörter und wonach der Prüfer die Punkte verteilt.
Wichtig vorab: Goethe-Zertifikat B1 und telc Deutsch B1 haben den gleichen Niveaustand, aber einen unterschiedlich aufgebauten Schreibteil. Wer sich anmeldet, ohne das zu wissen, übt oft für die falsche Prüfung.
Goethe B1: drei Aufgaben in 60 Minuten
Beim Goethe-Zertifikat B1 besteht das Modul Schreiben aus drei Aufgaben, für die Sie zusammen 60 Minuten haben.
- Aufgabe 1 ist eine informelle Nachricht, meistens eine E-Mail an eine Freundin oder einen Freund. Sie sollen ungefähr 80 Wörter schreiben. Typische Anlässe: eine Einladung, eine Absage, ein Vorschlag für ein Treffen, ein Bericht über etwas, das Sie erlebt haben.
- Aufgabe 2 ist ein Diskussionsbeitrag, also Ihre Meinung zu einem Alltagsthema in einem Online-Forum. Auch hier sind rund 80 Wörter gefragt. Die Themen sind bewusst allgemein gehalten: Handynutzung, Umwelt, Fernsehen, Sport, Wohnen. Sie müssen kein Experte sein, sondern eine Meinung äußern und begründen.
- Aufgabe 3 ist eine formelle Nachricht, zum Beispiel eine Entschuldigung an eine Lehrkraft oder eine kurze Mitteilung an eine Institution. Hier reichen etwa 40 Wörter, dafür wird auf die richtige, höfliche Anrede und Grußformel geachtet.
Jedes der vier Goethe-Module (Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen) wird mit maximal 100 Punkten bewertet, und Sie brauchen 60 Punkte, um es zu bestehen.
telc B1: ein Brief, aber der zählt
Bei telc Deutsch B1 sieht der Schreibteil anders aus. Statt drei kurzen Aufgaben schreiben Sie einen einzigen Brief. Sie bekommen eine Situation und in der Regel drei bis vier Leitpunkte, die Sie im Brief abarbeiten müssen. Das kann eine Beschwerde sein, eine Anfrage, eine Einladung oder eine Entschuldigung.
Eine feste Wortzahl gibt telc nicht vor. Entscheidend ist, dass Sie alle Leitpunkte inhaltlich abdecken und der Brief die Form einer echten Nachricht hat, mit Anrede, sinnvollem Aufbau und Grußformel. In der Praxis landen die meisten funktionierenden Briefe bei ungefähr 100 bis 150 Wörtern.
Der Schreibteil zählt bei telc 45 Punkte innerhalb des schriftlichen Prüfungsblocks. Bestehen müssen Sie den schriftlichen und den mündlichen Block getrennt, jeweils mit mindestens 60 Prozent. Ein starkes Leseergebnis rettet also keinen schwachen Brief.
Welche Themen wirklich kommen
Sie können den Schreibteil nicht durch Auswendiglernen bestimmter Themen bestehen, weil die Themen bewusst aus dem Alltag stammen und wechseln. Was sich aber vorbereiten lässt, sind die Textsorten und die passenden Redemittel dazu.
Diese Anlässe tauchen bei B1 immer wieder auf:
- eine Einladung aussprechen oder auf eine reagieren
- sich für etwas entschuldigen und einen Grund nennen
- sich beschweren und eine Lösung fordern
- um Informationen oder um einen Gefallen bitten
- die eigene Meinung zu einem Alltagsthema begründen
Wenn Sie für jede dieser Situationen ein paar sichere Formulierungen im Kopf haben, verlieren Sie im Ernstfall keine Zeit mehr mit der Frage, wie man höflich anfängt.
Wonach der Prüfer wirklich bewertet
Hier verlieren die meisten Punkte, ohne es zu merken. Bewertet wird nicht nur, ob Sie fehlerfrei schreiben, sondern vor allem, ob Ihr Text die Aufgabe erfüllt. Beide Prüfungen arbeiten mit ähnlichen Kriterien:
- Inhalt und Vollständigkeit. Haben Sie alle vorgegebenen Punkte behandelt? Ein sprachlich schöner Text, der einen Leitpunkt vergisst, verliert hier sofort. Das ist der häufigste vermeidbare Fehler.
- Aufbau und Kohärenz. Hängt der Text zusammen? Gibt es eine Anrede, einen roten Faden und einen Schluss? Verbinden Sie Sätze mit "weil", "deshalb", "trotzdem" statt sie nur aneinanderzureihen?
- Wortschatz. Benutzen Sie Wörter, die zur Situation passen, oder wiederholen Sie immer dieselben einfachen Vokabeln?
- Grammatik und formale Richtigkeit. Fehler sind erlaubt, solange sie das Verständnis nicht stören. Perfektion ist auf B1 nicht das Ziel.
Der wichtigste Satz für die Vorbereitung lautet deshalb: Vollständigkeit schlägt Schönheit. Prüfen Sie am Ende immer zuerst, ob wirklich jeder Leitpunkt vorkommt, und erst dann die Grammatik.
Warum Üben allein nicht reicht
Beim Lesen und Hören können Sie sich mit einem Lösungsschlüssel selbst kontrollieren. Beim Schreiben geht das nicht. Sie sehen Ihren eigenen Text immer als richtig an, weil Sie ja wissen, was Sie sagen wollten. Genau die Lücke zwischen "gemeint" und "geschrieben" bewertet der Prüfer.
Deshalb ist das nützlichste Training für den Schreibteil, einen echten Text zu schreiben und ihn korrigieren zu lassen, nach denselben Kriterien wie in der Prüfung. Bei ExamPal bewertet eine KI Ihr B1-Schreiben so, wie ein Prüfer es tun würde, und zeigt Ihnen genau, an welchem der vier Kriterien Sie Punkte verlieren würden. Sie bekommen fünf solcher Bewertungen kostenlos und ohne Kreditkarte.
Die offiziellen Prüfungsformate und einen Modellsatz mit Beispielaufgaben finden Sie direkt bei den Prüfungsstellen:
Der offizielle Modellsatz für Erwachsene zeigt alle drei Schreibaufgaben mit Wortvorgaben und Bewertungsbogen.
Der telc Übungstest zeigt den Brief als einzige Schreibaufgabe samt Leitpunkten und Punkteverteilung.
Wer das Format kennt und den eigenen Text einmal ehrlich bewertet bekommt, geht ruhiger in die Prüfung. Der Schreibteil ist der planbarste von allen, wenn man vorher weiß, worauf es ankommt.