1. September 2026
Kann man die B1-Prüfung online machen?
Die Frage klingt einfach, hat aber zwei völlig verschiedene Antworten, je nachdem, was Sie mit "online" meinen. Und die Verwechslung dieser beiden Bedeutungen ist genau die Falle, in die viele Leute mit ihrem Geld tappen.
Bedeutung eins: eine Prüfung, die am Computer stattfindet, aber in einem Prüfungszentrum. Bedeutung zwei: eine Prüfung, die Sie von zu Hause per Webcam ablegen. Das eine ist echt und anerkannt. Das andere sollten Sie sehr vorsichtig behandeln.
Die digitale Prüfung im Zentrum: ja, die gibt es
Sowohl Goethe als auch telc bieten inzwischen digitale Varianten an. Sie tippen Ihre Antworten am Bildschirm statt auf Papier, hören über Kopfhörer und schreiben Ihren Text in eine Maske. Das ist bequem und für viele angenehmer als Handschrift.
Aber: Diese digitale Prüfung findet weiterhin in einem zugelassenen Prüfungszentrum unter Aufsicht statt. "Digital" heißt hier nur, dass das Papier durch einen Bildschirm ersetzt wurde, nicht, dass Sie von der Couch aus antreten. Das Zertifikat ist identisch mit dem der Papierprüfung und wird überall genauso anerkannt.
Die B1-Prüfung von zu Hause: hier wird es heikel
Was es bei Goethe und telc nicht gibt, ist die anerkannte B1-Prüfung, die Sie komplett von zu Hause per Videoanruf ablegen und für die Sie sofort ein gültiges Zertifikat bekommen. Das Goethe-Institut bietet keine solche Online-Prüfung von zu Hause an.
Trotzdem finden Sie im Netz Anbieter, die genau das versprechen: eine "B1-Prüfung nach GER", online per Zoom, mit "Zertifikat nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen". Das klingt offiziell, und hier liegt das Problem im Detail.
Warum "nach GER" nicht dasselbe ist wie Goethe oder telc
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) ist eine Skala, kein Prüfungsanbieter. Jeder darf sagen, seine Prüfung orientiere sich "am GER-Niveau B1". Das ist kein Gütesiegel und kein Nachweis, dass eine Behörde das Papier akzeptiert.
Für die Einbürgerung, die Niederlassungserlaubnis oder den Abschluss eines Integrationskurses erkennen die Ausländer- und Einbürgerungsbehörden bestimmte Nachweise an: das Goethe-Zertifikat B1, telc Deutsch B1, das ÖSD-Zertifikat B1 und den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ). Ein allgemeines Online-Zertifikat "nach GER" von einem beliebigen Anbieter steht auf keiner dieser Listen automatisch.
Der Angriffspunkt ist also nicht, dass Online-Anbieter unseriös sein müssen, sondern dass das Wort "GER-konform" den entscheidenden Teil offenlässt: ob Ihre Behörde das konkrete Zertifikat akzeptiert. Und das erfahren Sie nicht vom Anbieter, sondern nur von der Behörde.
Bevor Sie für eine Online-Prüfung bezahlen, fragen Sie schriftlich bei Ihrer zuständigen Ausländer- oder Einbürgerungsbehörde nach, welche B1-Zertifikate sie anerkennt. Ein Zertifikat, das nicht anerkannt wird, ist verlorenes Geld, egal wie echt es aussieht.
Welche Zertifikate die Behörden wirklich anerkennen
Für den Sprachnachweis auf B1-Niveau, egal ob für die Einbürgerung, die Niederlassungserlaubnis oder den Familiennachzug, taucht bei den Behörden immer wieder dieselbe kurze Liste auf:
- das Goethe-Zertifikat B1
- telc Deutsch B1 (auch "Zertifikat Deutsch" genannt)
- das ÖSD-Zertifikat B1 aus Österreich
- der Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) mit B1-Ergebnis, den viele aus dem Integrationskurs kennen
Was diese vier verbindet, ist nicht das Wort "GER", sondern dass sie von etablierten Prüfungsstellen stammen und unter Aufsicht in einem Zentrum abgelegt werden. Genau diese Aufsicht ist der Punkt: Eine Behörde muss darauf vertrauen können, dass wirklich Sie die Prüfung gemacht haben und niemand danebensaß. Eine Prüfung, die Sie unbeaufsichtigt zu Hause per Webcam ablegen, gibt diese Sicherheit nicht, und deshalb steht kein reines Heim-Zertifikat automatisch auf der Liste.
Ein höheres Zertifikat zählt übrigens immer mit. Wer ein anerkanntes B2- oder C1-Zeugnis hat, muss B1 nicht extra nachweisen.
Woran Sie einen unseriösen Anbieter erkennen
Nicht jeder Online-Anbieter ist Betrug, aber einige Signale sollten Sie stutzig machen:
- Es wird ein "Zertifikat nach GER" versprochen, ohne dass Goethe, telc oder ÖSD genannt werden.
- Die Prüfung dauert verdächtig kurz oder es gibt eine "Bestehensgarantie". Eine echte Prüfung kann man nicht garantieren.
- Der Anbieter sagt nicht klar, dass die Prüfung beaufsichtigt und in einem Zentrum stattfindet.
- Es fehlt eine Antwort auf die einfache Frage, welche konkrete Behörde dieses Zertifikat schon akzeptiert hat.
Wenn Sie diese Signale sehen, gilt die Regel aus dem Kasten oben doppelt: erst die Anerkennung klären, dann zahlen.
Was Sie tatsächlich online machen können
Die Prüfung selbst legen Sie bei einer anerkannten Stelle vor Ort ab. Ihre gesamte Vorbereitung dagegen können Sie problemlos online erledigen, und das ist der Teil, der wirklich über Ihr Ergebnis entscheidet.
Lesen, Hören und Grammatik trainieren Sie mit Modellsätzen und Apps. Für das Schreiben, den Teil, den man allein am schwersten einschätzt, brauchen Sie Rückmeldung. ExamPal bewertet Ihr B1-Schreiben online, so wie ein echter Prüfer, und zeigt Ihnen genau, wo Punkte fehlen würden. Fünf Bewertungen sind kostenlos und ohne Kreditkarte. Sie üben online, treten aber mit einem Zertifikat an, das später auch zählt.
Die offiziellen, anerkannten Prüfungen finden Sie direkt bei den Anbietern:
Übersicht der offiziellen Goethe-Prüfungen und Prüfungszentren, digital oder auf Papier, immer vor Ort.
Die anerkannte telc-Deutschprüfung B1 und die Suche nach einem Prüfungszentrum in Ihrer Nähe.
Kurz zusammengefasst: Am Computer prüfen lassen, ja. Von zu Hause mit einem Zertifikat, das die Behörde vielleicht nicht kennt, besser nicht. Klären Sie die Anerkennung, bevor Sie zahlen, dann sparen Sie sich die teuerste Überraschung.