1. September 2026
B1-Prüfung ohne Kurs: Geht das, und für wen?
Kurz und direkt: Ja, Sie können die B1-Prüfung ohne Kurs machen. Weder das Goethe-Institut noch telc verlangen, dass Sie vorher einen Sprachkurs besucht haben. Sie melden sich direkt zur Prüfung an, zahlen die Gebühr und treten an. Ein Kursnachweis ist keine Voraussetzung.
Die interessantere Frage ist deshalb nicht, ob es erlaubt ist, sondern ob es für Sie klappt. Und das hängt weniger an Ihrem Deutsch insgesamt als an zwei bestimmten Prüfungsteilen.
Anmeldung ohne Kurs: so läuft es
Die B1-Prüfung ist eine offene Prüfung. Sie suchen sich ein Prüfungszentrum, buchen einen Termin und bezahlen. Niemand fragt nach einem Kurs, einem Lehrer oder einer Bescheinigung. Das gilt für Goethe, telc und ÖSD gleichermaßen.
Es gibt eine Ausnahme, die aber keine echte ist: Wer über das BAMF einen Integrationskurs macht, schließt diesen normalerweise mit dem Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) ab. Auch das ist eine B1-Prüfung, nur in einem geförderten Rahmen. Selbst dort ist die Prüfung aber offen. Sie können den DTZ oder ein Goethe-/telc-Zertifikat auch ohne Integrationskurs ablegen, wenn Sie die Gebühr selbst tragen.
Das heißt: Der Kurs ist ein möglicher Weg zur Prüfung, nie eine Bedingung. Wenn Sie schon auf B1-Niveau sind oder es sich selbst beibringen können, sparen Sie mit dem Direktweg viel Geld und Zeit.
Wofür Sie keinen Kurs brauchen
Ehrlich gesagt trainiert man einen großen Teil der Prüfung allein sogar besser als im Kurs, weil man das eigene Tempo bestimmt.
Lesen und Hören üben Sie mit den offiziellen Modellsätzen, deutschen Podcasts, Nachrichten in einfacher Sprache und Serien mit Untertiteln. Für diese Teile liegt in jedem Modellsatz ein Lösungsschlüssel, mit dem Sie sich selbst kontrollieren. Sie merken sofort, wo Sie stehen.
Wortschatz und Grammatik lassen sich hervorragend im Selbststudium aufbauen. Bei telc gibt es das eigene Modul Sprachbausteine, also Grammatik im Lückentext, und dafür kann man gezielt mit Übungsbüchern und Apps trainieren. Auch hier gibt es klare richtige Antworten, an denen Sie Ihren Fortschritt messen.
Für diese Hälfte der Prüfung ist ein Kurs oft Geldverschwendung, wenn Sie diszipliniert sind und ein paar gute Materialien haben.
Wofür der Kurs eigentlich da ist
Der Grund, warum Kurse existieren, sind die anderen beiden Teile: Schreiben und Sprechen. Hier hilft ein Lösungsschlüssel nicht, weil es keine einzelne richtige Antwort gibt. Sie brauchen jemanden, der Ihren Text oder Ihren Vortrag anschaut und sagt, wo Punkte verloren gehen.
Genau das leistet ein guter Kurs: eine Lehrkraft, die Ihren Brief korrigiert und Ihnen im Rollenspiel Rückmeldung zum Sprechen gibt. Das ist der eigentliche Wert, für den man bezahlt, nicht die Grammatikerklärungen, die überall gratis zu finden sind.
Wenn Sie ohne Kurs lernen, müssen Sie sich diese Rückmeldung anders holen. Sonst üben Sie beim Schreiben womöglich wochenlang dieselben Fehler ein, ohne es zu merken.
Wie lange dauert das ohne Kurs?
Ehrlich: Das hängt vor allem davon ab, wo Sie starten. Wenn Sie schon solide A2 sind und im Alltag viel Deutsch hören und sprechen, sind ein bis drei Monate gezielte Vorbereitung realistisch. Wenn Sie den Sprung von A2 auf B1 noch vor sich haben, sollten Sie eher mit einem halben Jahr rechnen. Der Kurs beschleunigt das nicht magisch, er gibt nur Struktur und Termine, an die man sich hält.
Ohne Kurs brauchen Sie deshalb zwei Dinge, die im Kurs eingebaut sind: einen festen Rhythmus und ehrliche Rückmeldung. Den Rhythmus schaffen Sie sich selbst, zum Beispiel mit einem festen Termin am Tag statt "wenn ich Zeit habe".
Welche Materialien reichen
Sie brauchen kein teures Rundum-Paket. Diese Kombination deckt fast alles ab:
- Die offiziellen Modellsätze von Goethe und telc für das Format und zum Üben unter Zeit.
- Eine B1-Grammatik zum Nachschlagen, etwa "Grammatik aktiv B1" oder eine gute App, um gezielt Lücken zu schließen.
- Deutsche Inhalte für die Ohren: Nachrichten in einfacher Sprache, Podcasts für Deutschlernende, Serien mit deutschen Untertiteln.
- Eine Möglichkeit, Ihr Schreiben und Sprechen bewerten zu lassen, denn genau das kann keine Grammatik-App.
Mit diesen vier Bausteinen ist der Selbstlern-Weg keine Notlösung, sondern für viele der effizientere Weg.
Der Selbstlern-Weg, der wirklich funktioniert
So sieht ein realistischer Weg ohne Kurs aus:
- Machen Sie zuerst einen offiziellen Modellsatz komplett und unter Zeit, um Ihren Ausgangspunkt zu kennen.
- Trainieren Sie Lesen, Hören und Grammatik selbstständig mit Modellsätzen und dem Lösungsschlüssel, bis Sie dort stabil über 60 Prozent liegen.
- Schreiben Sie regelmäßig echte Prüfungsbriefe und lassen Sie sie nach Prüfungskriterien bewerten. Sprechen Sie laut, am besten mit einer Tandempartnerin.
Für Schritt 3 braucht es die Rückmeldung, die sonst der Kurs liefert. Wenn Sie niemanden haben, der Ihre Texte nach Prüfungsmaßstab durchsieht, bewertet ExamPal Ihr B1-Schreiben wie ein echter Prüfer und zeigt Ihnen genau, an welchem Kriterium Sie Punkte verlieren würden. Fünf Bewertungen bekommen Sie kostenlos, ohne Kreditkarte. Das ersetzt den geschlossenen Teil des Kurses, ohne dass Sie sich für ein ganzes Kursprogramm anmelden.
Die offiziellen Prüfungsseiten mit Formaten und Modellsätzen finden Sie hier:
Prüfungsformat, Modellsatz und Anmeldung, offen für alle ohne Kursnachweis.
Fazit: Die B1-Prüfung ohne Kurs ist kein Sonderweg, sondern für viele der günstigere und schnellere. Sie müssen nur wissen, dass der Kurs vor allem eine Sache verkauft, die Sie sich sonst selbst organisieren müssen: eine ehrliche Rückmeldung zu Ihrem Schreiben und Sprechen.